Chronik - 85 Jahre Braunschweiger Narrenzunft

 

Von jeher haben die Menschen entlang des Rheins ein frohes Herz, ein aufgeschlossenes Wesen und einen humorvollen Sinn gehabt und im Grunde bis heute sich bewahrt. Und darin liegen die Gründe für heimatliches Brauchtum, um bei Spiel, Tanz und Mummenschanz dem Frohsinn zu dienen und dann wieder leichteren Herzens auch des Alltags Sorgen zu tragen.
Diesen Text eines uns nicht namentlich bekannten Uerdingers haben wir im Uerdinger Heimatbund gefunden. Er ist wahrscheinlich etwa halb so alt, wie die Braunschweiger Narrenzunft, sagt aber in den paar Zeilen genau das aus, was man vor 85 Jahren empfunden hat und wie man den Karneval gesehen hat.

Auch heute aber haben diese Zeilen mit Sicherheit noch ihre Gültigkeit, wenn man denn an die „Sache Karneval“ mit Humor, aufgeschlossen und mit frohem Herzen herangeht und wenn man sich darauf besinnt, nicht seine Profilneurosen auszuleben, sondern anderen Menschen - und damit auch sich selbst - Freude zu machen und Frohsinn zu schenken.

Frohe Menschen sind von jeher die Sänger, gleich ob sie das kirchliche oder das weltliche Lied pflegen, und damit wäre der Bogen wieder zur Braunschweiger Narrenzunft geschlagen, denn Mitglieder des Cäcilienchores St. Heinrich in Nord-Uerdingen gründeten in den 20er Jahren einen Bühnenbund und führten im Jahre 1923 die Operette „Winzerliesel“ in der Wilhelmshöhe 8 mal vor jeweils 800 Personen auf.
Diese Aufführung wurde ein großer Erfolg und hierdurch ermutigt, beschlossen einige Mitglieder dieses besagten Bühnenbundes eine Karnevalsgesellschaft zu gründen.

Am 29. Januar 1924 führte man in der Gaststätte Bomhuer (Braunschweiger Hof) eine erste Karnevalssitzung durch (Anmerkung: Die BNZ ist die 6.-älteste Karnevalsgesellschaft im Stadtgebiet Krefeld und im Regionalverband steht sie an 27. Stelle nach Gründungsjahren).
Die schweren Tage der Inflation waren vielleicht doch der beste Start einer Gesellschaft mit dem Zweck, Freude zu verschenken. 
Es war die Zeit der Währungsreform und die entstehende Gesellschaft war keineswegs „auf Rosen gebettet“. Goldener Humor war das erste und wichtigste Kapital beim bescheidenen Auftakt.
Die ersten närrischen Kopfbedeckungen waren einfache Papiermützen und die ersten Orden waren ebenfalls liebevoll aus Pappe und Papier hergestellt.
Die Gesellschaft gab sich eine eigene Satzung und den Namen „Braunschweiger Narrenzunft“ und sie ist seit dieser Zeit im Uerdinger Karnevalsgeschehen nicht mehr wegzudenken.

30 Jahre lang leitete Peter Blaumeiser als Vorsitzender und Präsident die Gesellschaft. Er war der treibende, immer nach höheren Touren strebende, Motor des Vereins. Ihm zur Seite standen seine treuen Freunde mit dem Motto

EINER FÜR ALLE – ALLE FÜR EINEN!

Die Freunde und Mitgründer - Namen längst vergangener Tage und trotzdem Namen, hinter denen Menschen stehen und die auch uns heute noch Vorbild sind und sein sollen:

Hubertus Pöll, den sie Hubertus Boonekamp nannten, der noch in hohem Alter als Ehrenpräsident immer dabei war,

Josef Jaspers, der Uerdinger Altkarnevalist mit ewig jungem, humorvollem Herzen, in der Bütt zu Hause wie selten ein anderer,

Anton Schürmann, der 25 Jahre lang als Schatzmeister das Kassenbuch in aufsteigender Linie führte,

Heinrich Kothen, ein Veilchen, das im Verborgenen blühte, der aber immer dabei war.

 Im Jahre 1936 halfen Präsident Peter Blaumeiser und seine BNZ aktiv bei der Gründung des Karnevalszugvereins mit, um in der Rheinstadt Uerdingen ein „Miteinander und Füreinander“ zum Wohle des am Karneval interessierten - aber nicht organisierten - Bürgers zu erreichen.

Peter Blaumeiser wurde nach 40jähriger Unterbrechung 1936 wieder der 1. Prinz im Uerdinger Karneval, und das nicht, weil er es unbedingt selbst wollte, sondern weil die Braunschweiger Narrenzunft für die „Karnevalsgesellschaft Südpol“ einsprang, die ursprünglich den Prinzen stellen wollte.
Der Karnevalssonntag sah in Uerdingen einen prächtigen Karnevalszug. Oben auf einem Tulpenwagen  - die Tulpen wurden von jungen Mädchen gebildet - fuhr Peter I. durch die Straßen der Rheinstadt. Prunkwagen gab es nahezu keine, dafür aber sehr originelle Wagen, die sich mit Uerdinger und anderen Problemen beschäftigten. 

Aus der „Bildergalerie“ dieser Homepage ist unschwer zu ersehen, daß die BNZ nicht nur den ersten Prinzen, Peter Blaumeiser, gestellt hat. Immer wieder gelang es in der Folge, BNZ-Mitglieder zur Narrenherrschaft in Uerdingen „zu überzeugen“.

Zurück zu Peter Blaumeiser: Sein Gründungswahlspruch soll hier auch nicht verschwiegen werden:

„Von Zoten frei die Narretei“,

und diesen übernahm auch sein unvergessener Nachfolger Peter Bernards, der leider viel zu früh verstorben ist.

 

Die Sitzungen der BNZ fanden ab 1928 im Saale Liesen und später im Saale „Zum Hagschinkel“ bzw. im „Haus Tivoli“, im „Bayer-Casino“,im Saale Sommer-Gather, in Haus Rheindamm in Hohenbudberg, im Saal „Haus Nauen“ in Linn oder auch bei „Steiners“ statt.

Gingen die Karnevalisten der Braunschweiger Narrenzunft in die Bütt, dann schäumten die Wellen des Humors über“, schreibt Josef Jaspers sen. im Februar 1962 in der Uerdinger Rundschau, und erinnert in diesem Zusammenhang beispielsweise an Lenzen´s Woosch und Heitkamps Köb.

 An dieser Stelle muß aber auch an andere erinnert werden, die mit den Aktiven die Geschichte des Vereins in  85 Jahren lenkten. Zu diesen gehören u. a. Heinz Brümmer, Heinz Stockfisch, Hans Calaminus, Herbert Küsters, der von 1966 bis 1977 Präsident der BNZ war, und Michael Hamacher.

Wenn von besonderem Engagement gesprochen wird, muß hier besonders der heutige Ehrenvorsitzende der BNZ Peter Singer genannt werden.
Auf der Jahreshauptversammlung am 21.05.1965 wurde Peter Singer zum Vorsitzenden der BNZ gewählt und er gab dieses Amt bei der Jahreshauptversammlung am 14.06.1988 in jüngere Hände. Heute, im Jahre 2009 ist Peter Singer bereits 56 Jahre Mitglied dieser Gesellschaft und hat in all den Jahren sowohl als Mitglied, als Vorstandsmitglied, als Vorsitzender und nicht zuletzt als Ehrenvorsitzender den Verein nach innen und außen geprägt. Die BNZ dankte ihm durch die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden, der Ernennung zum Consul Carnevalis der BNZ und die höchste Auszeichnung im deutschen Karneval überhaupt, der goldene Verdienstorden mit Brillanten des Bundes Deutscher Karneval, wurde ihm 2005 verliehen.

In seiner Amtszeit vollzog die BNZ einen Wechsel im Hinblick auf die Größe der Veranstaltungen vom Haus Tivoli an der Duisburger Str. (ca. 220 Personen) über Bayer-Casino (ca. 600 Personen), Haus Nauen in Linn (ca. 480 Personen) bis hin zur Uerdinger Halle (ca. 1000 Personen).

Seit dem Jahre 1995 hat Theo Vins den Vorsitz der Gesellschaft übernommen.
Die BNZ dankte ihm 2009 durch die Ernennung zum Consul Carnevalis der BNZ und der BDK durch die Verleihung des silbernen Verdienstordens des Bundes Deutscher Karneval.
Im Jahre 1987 wurde Theo Vins durch den AKK zum „Närrischen Ehrenbürger der Stadt Krefeld“ ernannt.

Anlässlich der Kostümsitzung im Jahre 2008 beendete Armin Everhardt leider nach 30-jähriger Präsidententätigkeit diese Aufgabe für die BNZ.
1988 dankte ihm die BNZ bereits für sein Engagement durch die Ernennung zum Consul Carnevalis und der BDK später durch die Verleihung des silbernen und goldenen Verdienstordens des Bundes Deutscher Karneval.
Im Jahre 2009 wurde Armin Everhardt durch die Karnevalsgesellschaft „G.K.G. Uzvögel 1900 Krefeld e. V.“ und deren „Närrische Fakultät“
zum 44. „Doctor humoris causa“ ernannt.

Aus gesundheitlichen Gründen stellte Wolfgang Heinemann leider im Jahre 2008 nach 29 Jahren Geschäftsführertätigkeit seinen Posten zur Verfügung

Der Schatzmeister Herbert Dunkel ist mittlerweile seit 34 Jahren im Amt – wir hoffen, dass er der BNZ noch lange Jahre erhalten bleibt.

Den beiden Letztgenannten dankte die BNZ ebenfalls durch die Ernennung zum Consul Carnevalis der BNZ und der BDK durch die Verleihung des goldenen Verdienstordens des Bundes Deutscher Karneval. 

Hinzuzufügen ist, daß Theo Vins und Armin Everhardt auch schon mehr als zwei Jahrzehnte auf  verschiedenen Posten innerhalb des Vorstandes des Karnevalszugvereins Uerdingen tätig sind und waren.

Die Braunschweiger Narrenzunft hat also immer schon auf Kontinuität gesetzt und ist in all den Jahren immer dort eingesprungen, wo jemand gebraucht wurde oder wo sich sonst niemand zur Verfügung stellen wollte.

Aber auch der Humor kam nicht zu kurz, wenn Jochen Gwinner, Helmut Horn, Friedhelm Broich, Alfred Swyen, Lothar Jodocy, Hans-Georg und Peter Singer, Hans Stevens, Achim Krölls, Jürgen Hermanns oder Michael Wienand in die Bütt gingen. Als bisher einzige Frau aus der BNZ-Familie war auch lange Jahre Doris Arnold Garantin für Humor und gute Laune.

Im Jahre 1951 wurde die „Grün-weiße Garde“ der BNZ von Peter Bernards, einem langjährigen Präsidenten der Braunschweiger Narrenzunft, gegründet.
Aus ihr entwickelte sich in den Folgejahren ein Fanfarenzug, der sich dann aber leider aus div. Gründen auflöste.
Im Jahre 1972 wurde die „BNZ-Tanzgarde“ – später „BNZ-Prinzengarde“ und heute „Regimentstöchter und Tanzoffiziere der BNZ“– ins Leben gerufen. Die BNZ ist stolz darauf, dass diese Garde auch heute noch das jeweils amtierende Prinzenpaar bei seinen Aufzügen als Prinzengarde begleitet und auch in jedem Jahr einen Höhepunkt der BNZ-Sitzungen darstellt.
Auch auf den Nachwuchs für die BNZ-Prinzengarde legt die BNZ großen Wert, so gehören der BNZ derzeit eine Mittel- und Minigarde an.

Seit dem Jahre 2006 verfügt die BNZ mit der BNZ-BRASS-BAND wieder über eine eigene musikalische Abteilung, die sich in der kurzen Zeit auch über die Grenzen Uerdingens hinaus einen Namen gemacht hat.

 

Mit dem Männergesangverein „Loreley“ und dem Uerdinger Schwimmverein gründete die BNZ 1956 die Arbeitsgemeinschaft „Nord-Uerdinger Kinderkarneval“. Nach dem Ausstieg der beiden „Teilhaber“ wurden Proklamation des Kinderprinzenpaares und der anschließende Umzug im Uerdinger Norden nur noch von der BNZ ausgerichtet.
Die Mittel zur Durchführung des Kinderkarnevalszuges wurden per Haus-Sammellisten beschafft.
Hier sollte Helga Hütter nicht unerwähnt bleiben. Mehrfach hat Sie, da die Sammelergebnisse oft nicht ausreichten, mit ihrer Privatkasse nachgeholfen, damit die am Umzug teilnehmenden kleinen Narren am Ende des Zuges wie versprochen Süßigkeiten bekamen.
Im Hinblick darauf, dass ein Uerdinger Kinderprinzenpaar die Rheinstadt in ihrer Gesamtheit repräsentieren sollte, wurde die Veranstaltung 1981 nach 25 Jahren dem Karnevalszugverein Uerdingen als offiziellem Träger übergeben.

Aber auch noch andere Aktivitäten der BNZ sollen nicht vergessen werden:

Die Idee stammte von unserer Ehrensenatorin, Frau Hanni Kratz-Kluth, nämlich auf dem historischen Uerdinger Marktplatz zu Karneval ein Festzelt aufzustellen. Eine gute Idee, die aber auch erhebliche Risiken in sich barg.
Die BNZ „packte die Gelegenheit beim Schopfe“ und auf dem Marktplatz wurde ein Festzelt für etwa 800 Gäste aufgestellt.
Der „1. Altweiberball im geheizten Festzelt auf dem historischen Uerdinger Marktplatz“ konnte am Altweiber-Donnerstag 1981 stattfinden. Hanni Kratz-Kluth hatte Recht behalten: eine Marktlücke in Uerdingen war geschlossen, das Zelt faßt heute ca. 1200 Personen und im Jahre 2009 konnte der 29. Altweiberball der BNZ stattfinden.

Die BNZ setzte für ihre Mitglieder „noch eins drauf“: Am Karnevalssamstag 1981 zum Kostümball empfing man im Zelt die in Düsseldorf weilende

„Blumenkönigin von Teneriffa und ihr Gefolge“.

Präsident Armin Everhardt soll für diesen Tag extra spanischen Sprachunterricht genommen haben.

 

Auch der Närrische Markttag am Karnevalssamstag ist - wie viele in Uerdingen nicht mehr wissen - eine „BNZ-Erfindung“.
Der 1. Närrische Markttag im Festzelt fand am Karnevalssamstag 1983 statt.
Da die Braunschweiger Narrenzunft der Veranstaltung einen höheren Stellenwert einräumen wollte, wurde der Närrische Markttag nach 5 Jahren im Jahre 1988 dem Karnevalszugverein Uerdingen übereignet.

In unregelmäßigen Abständen verleiht die Braunschweiger Narrenzunft den Ehrentitel eines „Consul Carnevalis“ an Personen, die sich beispielhaft für den Uerdinger Karneval, für die Rheinstadt Uerdingen oder den gesamtstädtischen Karneval einsetzen, wobei natürlicherweise die Belange der Rheinstadt Uerdingen eine gewisse Wertung erfahren sollen.
Erster Titelträger war 1983 der Krefelder Oberbürgermeister Dieter Pützhofen.

Alle bisher von der BNZ ernannten Consuln Carnevalis, Ehrensenatoren und Senatoren finden Sie unter dem Menüpunkt „Senat“.

Ebenfalls in unregelmäßigen Abständen ernennt die BNZ Ehrensenatoren – auch diese sind unter dem Menüpunkt „Senat“ zu finden.

Der Schluss dieses Berichtes ist dem Uerdinger Karnevalsmagazin gewidmet, in dem in den vergangenen Jahren bis heute hoffentlich amüsiert geblättert wurde.

Das Uerdinger Karnevalsmagazin „Sei Narr“ wurde von der BNZ unter der Regentschaft ihres Prinzenpaares Wilhelm Maria I. und Brunhild I. (Dick) im Jahre 1969 aus der Taufe gehoben, wobei Wilhelm Maria Dick und Herbert Küsters in den ersten Jahren als Ideengeber verantwortlich zeichneten. Seit 1979 ist Herbert Dunkel für den Inhalt verantwortlich.

Etwa 10.000 Exemplare werden in jedem Jahr in Uerdingen und der näheren Umgebung verteilt.

Es ist in den 85 Jahren des Bestehens der Braunschweiger Narrenzunft, insbesondere in den 1000 Jahren, die glücklicherweise keine wurden, sicherlich nicht immer leicht gewesen, Freude und Frohsinn zu verbreiten. Höhen und Tiefen waren immer wieder zu überwinden und an dieser Stelle sei all jenen gedankt, die in irgendeiner Zeit in jedweder Form versucht haben und versuchen, durch Einsatz und Idealismus unser Brauchtum Karneval im Sinne der Braunschweiger Narrenzunft und ihrer Tradition zu gestalten, zu erhalten und zu fördern.

Die Braunschweiger Narrenzunft wird weiterhin aktiv in Verbindung mit den karnevalistischen Freunden an der Förderung des Uerdinger Karnevals teilnehmen und es wird jederzeit jeder willkommen sein, der auf dieser Ebene der BNZ-Familie angehören will.

 

Stand: März 2009